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Sport ohne Scham: meine Geschichte mit Essen, Gewicht und Bewegung

Ich bin übergewichtig. Ich hatte eine Essstörung. Und Bewegung hat mein Leben verändert – nicht, weil sie mich schlank gemacht hat, sondern weil sie mich wieder spüren liess.




Ich bin 34 Jahre alt.

Ich bin noch übergewichtig.

Und ich hatte eine Essstörung.

Wobei ich mich manchmal frage, ob hatte wirklich das richtige Wort ist.


Denn sie meldet sich noch. An schlechten Tagen im Labor. Wenn mich das Weltgeschehen überrollt. Wenn ich müde bin, überfordert oder innerlich leer.

Gleichzeitig fühlt sich hatte auch richtig an. Weil ich meine Trigger heute erkenne. Weil ich nicht mehr hilflos ausgeliefert bin. Weil ich gelernt habe, aktiv gegenzusteuern.

Ich habe gelernt, Hunger zu spüren. Nicht jeden Impuls zu essen. Manchmal wird mir Schokolade angeboten – und ich kann sagen: Ich will gerade keine. Also lehne ich ab. Nicht aus Kontrolle. Sondern weil ich endlich gecheckt habe, dass ich auch nein sagen kann.


Sport war lange mein Feind

In der Schule habe ich Sport gehasst. Ich war dick, hatte schlechte Noten, wurde gehänselt. Sport bedeutete Blossstellung. Vergleich. Scham.

Als ich mein Maximalgewicht von etwa 145 kg bei 1,70 m erreicht hatte, bewegte ich mich kaum noch. Laufen gehen? Ich musste schnauben wie ein Pferd.

Dann kamen schwere persönliche Schicksalsschläge. Ich war depressiv, kam kaum mit meinem Leben klar.

Essen war mein Betäubungsmittel und mein Kontrollversuch.

Fastentage, Low Carb, Disziplin um jeden Preis. Und dann die Cheatdays, an denen alles explodierte: Kalorien, Kohlenhydrate, Selbsthass.


Und dann kam Bewegung – auf meine Art

Irgendwann habe ich mit Sport angefangen: ausgerechnet CrossFit.

Rückblickend: vermutlich das Härteste, was ich mir hätte aussuchen können. Und genau das hat mich gerettet.

Ich brauchte diese Intensität. Diese körperlichen Reize. Dieses Gefühl von ich lebe noch.

Der extrem anstrengende Sport half mir, all die Negativität irgendwohin zu bringen. Raus aus dem Kopf, rein in den Körper.

Und nein – ich bin dadurch nicht plötzlich schlank geworden. Schön wär’s.

Essstörungen und Übergewicht sind nicht linear. Nicht logisch. Nicht „wenn du dich nur genug anstrengst“.

Ich musste nicht nur mein Essverhalten neu lernen, sondern auch meine Körperwahrnehmung.

Und ich habe gemerkt: Mein Ziel war falsch gesetzt.


Ich wollte dünn sein – heute will ich etwas anderes


Ich wollte dünn sein, um einer Norm zu entsprechen. Um endlich „richtig“ zu sein.

Heute möchte ich:

  • beweglich sein

  • sportlich sein

  • kraftvoll sein

Ich möchte auf Bäume klettern, auf Berge steigen. Mich frei bewegen können.

Ich liebe Mobility. Ich liebe es, im Gym zu schwitzen. Und ich bin zutiefst dankbar für den Effekt von Bewegung auf meine Psyche.

Bewegung stabilisiert mich. Sie reguliert. Sie trägt.


Warum ich „Beweg dich frei - Sport ohne Scham“ anbiete

Genau deshalb starte ich ab März „Beweg dich frei - Sport ohne Scham“. Und genau deshalb befinde ich mich in der Ausbildung zur Personal Trainerin.

Nicht, weil ich das perfekte Vorbild bin. Sondern weil ich weiss, wie schwer die ersten Schritte sind. Vor allem für übergewichtige Menschen, und für Menschen mit Schamgeschichte.

Ich möchte Personen begleiten, die sich (noch) nicht trauen. Die denken, sie müssten erst fitter werden. Die glauben, ihr Körper sei „falsch“.


Morgen mache ich Fotos – und ja, ich bin nervös

Morgen gehe ich zu einem Fotoshooting für meinen Flyer. In Sportkleidung. Unretuschiert.

Zellulite darf sichtbar sein. Mein Bauch darf weich sein. Das werden vermutlich die am unvorteilhaftesten Sportfotos überhaupt.

Und genau das ist der Punkt.

Ich möchte zeigen, wie ein Körper aussieht, der Sport macht. Nicht ein Ideal.

Und ja – ich bin nervös. Sehr sogar.



Übrigens:

Die erste Stunde von „Beweg dich frei“ am 02.03.2026  um 20:00 ist kostenlos. Es gibt 11 Plätze.

Wenn du dich angesprochen fühlst, wenn du dich gesehen fühlst, wenn du spürst, dass Bewegung vielleicht auch für dich mehr sein könnte als Kampf:

Dann melde dich.

Du musst nicht bereit sein. Du darfst es hier werden.


oder




Eine übergewichtige Person und eine Person beim Bouldern

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