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Warum fühle ich mich festgefahren und wieso schaffen alle anderen es weiter und ich nicht?

9. Okt.
4 Min. Lesezeit

Kennst du das Gefühl, dass um dich herum alle irgendwie vorwärtskommen, während du auf der Stelle trittst? Dass andere ihre Projekte starten, ihre Träume leben, und du sitzt da und fragst dich: Warum komme ich nicht vom Fleck? Warum fühle ich mich festgefahren?

Diese Frage habe ich mir selber erst wieder gestellt, als ich im Kontext meiner Anstellung nicht weiter wusste. Und dieses Gefühl, diese Mischung aus Ohnmacht und Überforderung, ist ein ganz ekeliges. Denn es tarnt sich oft so gut als Produktivität. Ich tue doch! Ich mache! Ich arbeite! Schliesslich gehe ich Arbeiten, baue mir nebenbei meine Selbstständigkeit auf, mache eine Weiterbildung, habe ein Privatleben, und Hobbys habe ich doch auch.


Aber: Handle ich denn meinen Wünschen und Träumen entsprechend? Natürlich... Ich Plane, schreibe, sammle Ideen, habe im Kopf schon ganze Retreats, Wochenenden und Abende geplant. Mit den Klientenpersonen die ich in meiner Vorstellung auch schon alle angeworben habe. Joa, da ist wohl der Knackpunkt. Ich bin zwar Produktiv, aber nur in meinem Kopf. Oder, vielleicht sogar noch im Füllen meines tollen "Gehirn-Buches", in dem ich alles aufschreibe, und wo es dann gaaanz oft einfach bleibt.

Ein buntes Notizbuch auf einem Holztisch
Mein Notizbuch, mein externes Gehirn

Das ist übrigens weder Faulheit noch ein persönlicher Makel. Aus psychologischer Sicht schiebt man beim Prokrastinieren Aufgaben, die für wichtige Ziele nötig wären, zugunsten weniger relevanter Tätigkeiten auf und fühlt sich dabei schlecht. Und „weniger relevant“ kann auch heissen: schön, sinnvoll aussehend und trotzdem nicht der nächste echte Schritt. Planen fühlt sich nach Fortschritt an. Es ist nur eben noch keiner.


Zu Viele Optionen, zu viel Angst vor der falschen Wahl?


ok, aber nun zum eingemachten. Ich fühle mich festgefahren. Liegt es dran, dass ich zu viele Optionen habe? Und wenn ich mich für eine davon Entscheiden muss, habe ich keine Möglichkeit mehr, eine andere zu wählen. Dann ist es doch viel angenehmer, über die verschiedenen Möglichkeiten nachzudenken und niemals die "falsche" Entscheidung treffen zu müssen.


Sylvia Plath hat dafür in ihrem Roman „Die Glasglocke“ ein unvergessliches Bild gefunden: Die Erzählerin sitzt in der Gabel eines Feigenbaums und verhungert fast, weil sie sich nicht für eine der Feigen entscheiden kann. Eine zu nehmen hiesse, alle anderen zu verlieren. Und während sie zögert, schrumpfen die Feigen, werden schwarz und fallen eine nach der anderen zu Boden.

eine Feige an einem Feigenbaum
Entscheidungen sind wie Feigen an einem Baum.

Das hat mich ziemlich wachgerüttelt. Denn es stimmt total.


Und es hat einen psychologischen Hintergrund: Solange ich nichts umsetze, kann auch nichts scheitern. Die Forschung nennt Strategien, mit denen Menschen mögliche Misserfolge im Vorfeld erklärbar machen oder abmildern, Selbst-Handicapping. Dahinter steckt oft kein bewusster Plan, sondern ein innerer Schutzmechanismus, der das Selbstwertgefühl schützen will. Auch Angst vor Misserfolg und ein zu weit entferntes oder zu vages Ziel gehören zu den typischen Auslösern für Aufschieben. Wenn mein Ziel „erfolgreiche Selbstständigkeit“ heisst, ist unklar, was ich heute konkret tun könnte. Und dann tue ich eben nichts.


Und dann ist da noch mein Komfort


Aber, ist das denn die einzige Blockade, der ich mich stellen muss? Leider nein. Denn, es gibt noch etwas, was uns manchmal recht schwer fällt, einzugestehen: wir mögen unserem Komfort.

Ich spreche in meinem Fall nicht von Kamikaze-Kündigen und all-in in meine Selbständigkeit stürzen. Sondern eher von: es ist Samstag Abend. Ich habe die ganze Woche gearbeitet, Zweimal Abends meine Sportkurse gegeben und am Samstag auch noch ein paar wertvolle Kliententermine gehabt. Diese Arbeit liebe ich. Das Gemeinsame mit den Menschen, mit ihren echten Geschichten, mit ihren Herausforderungen. Das hört sich doch an, als ob ich mir etwas Komfort "verdient" hätte. Das Stimmt, bringt mich gerade jetzt aber nicht wirklich weiter.


Was ich statt einer Stunde kopflosem Scrollen auf Social Media eigentlich tun sollte, und was mich auch viel weiter bringen würde, wäre: 15 Min Buchhaltung. Oder 30 Min Gestaltung eines neuen Flyers. Oder: 1h recherchieren und schreiben eines neuen Blogartikels ;)

(hier kommt jetzt noch ein anderer Faktor mit rein. Eine Nebenquest sozusagen: klar könnte ich für all dies KI nutzen und mir die Zeit sparen, doch ganz ehrlich, da blutet mein

Kunstschaffendes kreatives Herz zu sehr dafür.)


Das Trügerische am Komfort: Er fühlt sich im Moment richtig an. Auch hier beschreibt die Psychologie das gleiche Prinzip wie beim Aufschieben: Kurzfristig geht es mir besser, langfristig wächst der Druck aus unerledigten Aufgaben, und mit ihm Frust, Stress und schlechtes Gewissen. Und auch das Festhalten an gewohnten Abläufen und die Angst vor Unsicherheit gehören zu den Mustern, die persönliches Wachstum bremsen können, selbst wenn sie uns nicht gut tun.


Was dagegen hilft, sagt die Fachliteratur, ist ziemlich unspektakulär, und genau darum so wirksam: grosse Aufgaben in kleine, machbare Schritte aufteilen. Meine 15 Minuten Buchhaltung sind genau so ein Schritt. Und eine andere Faustregel lautet: erst das Wichtige, dann das Dringende. Zuerst einen Überblick verschaffen, dann mit dem anfangen, was für das eigene Ziel am meisten zählt.


Wenn ich mich in einem Gedankenkarusell wiederfinde


Und dann gibt es noch die gemischte, dritte Version davon, warum ich irgendwie nicht vorwärtskomme. Denn ich stecke fest, weil ich zu viel nachdenke.

Vielleicht finden sich hier die meisten Lesenden wieder: Ich habe eine Idee. Ich plane sie. Ich finde einen möglichen Fehler in der Idee. Ich plane sie erneut. überdenke jeden möglichen Fallstrick. Und dann bin ich zu Überfordert, um etwas anzufangen, und in meiner Komfortzone gefangen. Blöd jetzt.

Die Psychologie kennt das als Grübeln: Man verfängt sich in Gedankenschleifen, statt Lösungen zu entwickeln, und das hemmt Entscheidungen und verhindert Fortschritt. Dazu kommt oft ein Hang zum Perfektionismus. Wer nur perfekte Ergebnisse akzeptiert, beginnt Projekte häufig später oder bricht sie ganz ab.

Und was kann ich da gegen machen? Man kann sich nicht aus einem Gedankenkreisel herausdenken. Sonst wären du und ich nicht meisterhaft darin, Kurven, Spiralen und Muster im Kopf zu kreisen.


Hier hilft mir Bewegung. Raus aus der Wohnung, eine Runde mit dem Hund laufen. Oder auf den Balkon und drei Hampelmänner machen. Ein "in vier Wänden" Gedanke kann nicht rausgeholt werden, wenn man sich selbst einsperrt.


Ein Shetland Sheepdog (Sheltie) der auf einer Decke liegt
Sam, mein Hund, die beste Entschuldigung den Kopf zu lüften

Gut. jetzt habe ich das ganze hier durchexerziert. Und was kannst du daraus jetzt mitnehmen?


Dass du nicht alleine bist. Was wir bei anderen sehen, sind meistens die Ergebnisse, selten die Baustellen dahinter.

Dass du, wenn du zu mir in die Beratung kommst, auf eine echte, menschliche Person triffst, die deinen Problemen mit echter Empathie entgegen tritt.

Dass du dich nicht schämen brauchst, egal wie gross oder klein das Thema sein sollte.



Das war meine ganz Persönliche Antwort auf die Frage:

Warum fühle ich mich festgefahren?

Und ich hoffe, dir hat die Mischung aus persönlicher Erfahrung und fachlicher Recherche gefallen.

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